Was qualifizierte Frauen in der Schweiz wirklich bremst — und warum es nicht an ihnen liegt.
87 Frauen aus der Deutschschweiz haben uns erzählt, wie sie ihren Berufsalltag erleben, was sie weiterbringt — und was sie aufhält. Was wir gehört haben, überrascht weniger als die Konsequenzen, die der Markt daraus (nicht) zieht.
Qualifizierte Frauen sind in der Schweiz nicht unsichtbar, weil sie zu wenig können. Sie sind unsichtbar, weil ein Arbeitsmarkt, der auf Vollzeit, Präsenz und lineare Karriereverläufe ausgerichtet ist, strukturell an ihnen vorbeiplant. Das ist kein Vorwurf — das ist eine Marktineffizienz. Und Marktineffizienzen lassen sich schliessen.
Im Juni 2026 haben wir unsere Community befragt: Wie erlebst du deinen Berufsalltag? Was hält dich zurück? Was würde dir wirklich helfen? 87 Frauen aus der ganzen Deutschschweiz haben geantwortet. Keine repräsentative Studie — aber 87 ehrliche Einblicke, die ein Bild zeichnen, das sich mit dem deckt, was das Bundesamt für Statistik (BFS) in grossen Zahlen seit Jahren misst.
Drei Viertel der Mütter. Einer von sieben Vätern.
Wer verstehen will, warum qualifizierte Frauen im Schweizer Arbeitsmarkt systematisch unter ihrem Potenzial bleiben, muss nicht lange suchen. Das BFS liefert die Zahlen seit Jahrzehnten.
Dreiviertel aller erwerbstätigen Mütter in der Schweiz arbeiten Teilzeit. Bei Vätern in derselben Familiensituation sind es 14 Prozent. Nicht weil Frauen das so wollen — sondern weil der Markt ihnen kaum eine andere Wahl lässt. Unflexible Arbeitsmodelle, fehlende Kinderbetreuung, und ein implizites Karrieresystem das Vollzeit als Standard definiert: Das Ergebnis sind Millionen ungenutzter Arbeitsstunden von gut ausgebildeten Frauen.
Die Fakten:
58.6%der erwerbstätigen Frauen in der Schweiz arbeiten Teilzeit
37.7%der Führungspositionen in der Schweiz sind mit Frauen besetzt
47.5%der unterbeschäftigten Frauen würden ihr Pensum gerne erhöhen
Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Gleichstellungsindikatoren 2025
Besonders aufschlussreich: Frauen in Führungspositionen arbeiten zu 44 Prozent Teilzeit. Männer in vergleichbaren Rollen zu 11 Prozent. Das bedeutet, dass dieselbe Führungsleistung — von einer Frau — strukturell in weniger bezahlten Stunden erbracht wird. Und dass trotzdem jede zweite Führungsfrau täglich eine Balance jongliert, für die das System schlicht nicht gebaut ist.
Was unsere Community sagt
Diese Zahlen kennen die 87 Frauen, die unsere Umfrage ausgefüllt haben, nicht als Statistik — sie leben sie. Was uns besonders beschäftigt hat: Die Mehrheit sucht nicht aktiv einen neuen Job. Sie ist offen. Sie wartet auf das richtige Angebot. Und sie findet es nicht.
43%sind passiv offen — sie würden wechseln, wenn das Angebot stimmt
43%nennen Flexibilität als wichtigstes Kriterium für einen neuen Job
77%nutzen LinkedIn beruflich — und trotzdem bleiben viele unsichtbar
Quelle: Hypatia Community-Umfrage, Juni 2026, n=87
«Ich finde keine Stellen mit echten Teilzeit- oder Flexoptionen. Führung in Teilzeit? Theoretisch möglich. Praktisch inexistent.»
Flexibilität ist dabei kein Luxuswunsch. Es ist das meistgenannte Kriterium — weit vor Gehalt, Unternehmenskultur und Entwicklungsmöglichkeiten. Und doch ist genau das, was der Markt am wenigsten strukturiert anbietet. Insbesondere auf Führungsstufe: Wer 80 Prozent führen will, sucht meist vergebens.
Gleichzeitig wissen viele Frauen in unserer Community nicht genau, wohin sie eigentlich wollen. Nicht weil es ihnen an Ambition fehlt — sondern weil Orientierung Zeit braucht, und die fehlt. Neben Beruf, Familie, Alltag.
Was würde am meisten helfen? Die am häufigsten genannte Antwort: eine anonyme Jobvermittlung, die wirklich passt — kombiniert mit mehr Sichtbarkeit bei Unternehmen, die Frauenförderung ernst nehmen. Nicht Ratgeber. Nicht Workshops. Direkter Zugang zum richtigen Arbeitgeber, ohne das eigene Profil öffentlich machen zu müssen.
Das strukturelle Problem hat einen Namen
Eine Teilnehmerin schreibt: «Da ich alleinerziehend bin, werde ich selten weiter berücksichtigt — ich sei nicht flexibel genug oder ein zu grosses Risiko.»
Das ist keine Einzelstimme. Das ist ein Muster. Gut qualifizierte Frauen werden im Recruiting-Prozess als Risiko bewertet — für Lebensumstände, die ausserhalb ihrer Kontrolle liegen. Das kostet Unternehmen Potenzial. Es kostet Frauen Chancen. Und es kostet die Schweizer Volkswirtschaft Fachkräfte, die sie sich schlicht nicht leisten kann zu ignorieren.
Eine weitere Teilnehmerin bringt es auf den Punkt: «Um genau den richtigen Job zu finden, braucht es mehr: mehr Kontakte, mehr Kenntnis über den Markt — und mehr flexible Modelle für Frauen.»
Genau diese Lücke wollen wir schliessen. Nicht mit Ratschlägen darüber, wie Frauen sich besser «verkaufen» sollen. Sondern indem wir die Strukturen verändern, in denen Talente und Chancen zusammentreffen.
Was Hypatia daraus macht
Hypatia ist aus genau diesem Wissen entstanden: Zwei Frauen ausdem Recruiting und der Karriereberatung, die täglich sehen, wie viel Potenzial an schlechten Prozessen, mangelnder Sichtbarkeit und fehlender Orientierung scheitert.
Unser Ansatz ist bewusst direkt: Karriere-Coaching für Frauen, die wissen, dass sie mehr wollen — aber noch nicht genau wohin. Professionelle Bewerbungs-Services aus der Recruiting-Praxis. Und ein anonymes Job-Matching, das qualifizierte Frauen mit Unternehmen verbindet, die Gleichstellung wirklich leben — ohne dass sie sich öffentlich exponieren müssen.
Denn das ist die eigentliche Erkenntnis aus 87 Antworten: Der Wille ist da. Die Qualifikation ist da. Was fehlt, ist der strukturelle Kanal, der beides sichtbar macht.
Bereit für den nächsten Schritt?
Ob Coaching, Bewerbungs-Services oder anonymes Job-Matching — wir haben das richtige Angebot für deinen nächsten Schritt.
